Mein Sport Mikrofon

14.07.2016

„Wir dürfen nicht in der Kategorie Lurup landen"

Kosovas Visar Galica im Interview

Skeptischer Blick Fu?r den Klassenerhalt in der Oberliga muss sich Visar Galica mit seinen Teamkollegen noch mächtig steigern. Foto: noveski.com

In der vergangenen Saison feierte Visar Galica mit dem Klub Kosova den Aufstieg in der Oberliga. Der 32-Jährige ist einer von nur sieben Spielern im Kader der Wilhelmsburger, die bereits in Hamburgs höchster Spielklasse im Einsatz waren. Im Interview spricht der Stürmer über die bisherige Vorbereitung, die Umstellungen, die in der neuen Liga auf die Elf von der Dratelnstraße zukommen und warum er gute Chancen auf den Klassenerhalt sieht.

Sport Mikrofon: Herr Galica, welches Gefühl überwiegt bei Ihnen und dem knapp zwei Wochen vor dem Oberliga-Start: die Freude oder die Angst?
Visar Galica: Wir freuen uns auf jeden Fall auf das erste Oberliga-Spiel in der Geschichte des Vereins. Selbstverständlich kommt es für die weitere Entwicklung auch darauf an, wie wir in die Saison starten. Wir wissen, dass es für uns keine einfache Spielzeit wird. Ich denke aber, dass wir in den letzten zwei Wochen die ersten kleinen Fortschritte gemacht haben. Es ist aber auch klar, dass da noch ein bisschen mehr kommen muss.

Derzeit fallen einige Spieler verletzt aus oder sind angeschlagen. Sind das nicht denkbar schlechte Vorzeichen für eine Saisonvorbereitung oder kann die Mannschaft das wegstecken?
Galica:
Die Jungs, die verletzt sind, fehlen uns sehr. Das merkt man schon. Uns bleibt aber nichts anderes übrig, als zu warten, dass sie wieder fit sind. Wir müssen gucken, wie schnell das geht. Diese Spieler wie zum Beispiel Max Groenhagen, Burhan Bedrolli oder auch unser Neuzugang Viktor Streib sind wichtig für uns.

Im gesamten Kosova-Kader finden sich gerade einmal sieben Spieler, die bereits über Oberliga-Erfahrung verfügen. Ist das nicht zu wenig, wenn man in der Liga bleiben will?
Galica:
Wenn ich mir die Kader von anderen Vereinen ansehe, dann würde ich schon sagen: Es sind wenige Spieler. Vielleicht zu wenige. Aber ich glaube, dass wir das auffangen können, wenn wir als eine mannschaftlich geschlossene Einheit auftreten. Natürlich müssen wir uns bewusst sein, dass jetzt eine Liga höher auf uns eine ganz andere Art von Fußball wartet. Wenn wir das Ganze mit diesem Teamgedanken angehen, dann kann es klappen, dass wir drin bleiben.

„Kleine Fehler werden direkt bestraft“

Thorsten Beyer sprach zuletzt davon, in seiner Einschätzung liege Kosova derzeit in der Oberliga vom Niveau her zwischen Paloma und Lurup auf Platz 17 ½. Macht Ihnen die Einschätzung Ihres Trainers Sorgen oder ist das eine zusätzliche Motivation, ihm das Gegenteil zu beweisen.
Galica: Der Trainer hat gar nicht so unrecht. Niemand will in der Tabelle da stehen, wo Paloma und Lurup am Ende der letzten Saison standen. Wir dürfen nicht in der Kategorie Lurup landen. Das wäre sehr, sehr bitter. Der eine oder andere Spieler wirkt im Moment noch gehemmt. Man muss den Jungs klar machen, dass wir vorankommen müssen. Wie müssen viele Dinge anders und besser machen. Das ist nicht mehr die Landesliga. Kleine Fehler werden in der Oberliga direkt bestraft.

Sie selbst sind einer der sieben Spieler Kosovas, die schon in der Oberliga aktiv waren. Welche Umstellung kommt Ihrer Meinung nach in der neuen Spielklasse auf die Mannschaft zu?
Galica:
Die Teams in der Oberliga haben ganz andere taktische Fähigkeiten und Voraussetzungen als in der Landesliga. Der SC Victoria, Dassendorf oder BU sind nicht mit den Gegnern vergleichbar, die wir in der abgelaufenen Saison hatten. Da wird uns einiges abverlangt und es muss mehr von uns kommen. Wir müssen als Einheit bestehen und uns taktisch weiterentwickeln.

Was macht Sie zuversichtlich, dass Kosova dieser Schritt gelingt und der Verein in der Oberliga mehr erreicht, als nur Lehrgeld zu zahlen?

Galica: Zum einen ist der Großteil des Kaders aus der vergangenen Saison zusammengeblieben. Zum anderen finde ich: Wir können fußballerisch was!

„Spielerisch sehe ich uns gar nicht so schlecht“

Voller Einsatz Visar Galica (Mi.) und der Klub Kosova machen sich fit fu?r die erste Oberliga- Saison in der Geschichte des Vereins. Foto: noveski.com

Sie kamen im Winter zu Kosova, erzielten in zehn Saisonspielen fünf Tore und bereiteten drei vor. Wo müssen Sie sich selbst verbessern?
Galica:
Ich komme zwar langsam zu meiner Fitness zurück, aber in diesem Bereich muss ich noch einiges tun. Aber ich sehe mich auf einem guten Weg.

Sie dürften nicht nur aufgrund Ihrer Erfahrung eine der tragenden Säulen der Mannschaft sein. Wie kommen Sie mit dieser Rolle zurecht?
Galica:
Ja, das ist richtig. Ich übernehme diese Führungsrolle gerne. Aber nicht nur ich allein. Wir haben noch andere Spieler im Kader. Auch Leute wie Sebastian Menzel, Patrick Smereka oder aber Max Groenhagen werden und müssen die vielen jungen Spieler sinnbildlich an die Hand nehmen.

Die Mannschaft wird anders als in der zurückliegenden Saison vermutlich mehr Rückschläge hinnehmen müssen. Ist sie dafür gefestigt genug?
Galica:
Für die Mannschaft ist das eine neue Situation, richtig. Ich kenne das von meiner vorherigen Station beim USC Paloma. Ob wir das verkraften, wird die Zeit zeigen, wenn wie vielleicht mal vier oder fünf Spiele hintereinander nicht punkten. Der Trainer und seine Assistenten werden uns vermitteln, wie wir in so einer Situation bestehen können. Auch in der Mannschaft selbst müssen wir das dann vermehrt ansprechen, uns Mut machen und kühlen Kopf bewahren. Wir müssen Charakter zeigen und zusammenstehen. Ich hoffe allerdings, dass es zu so einer schlechten Situation nicht kommt.

Und wenn doch? In wie weit sind Sie dann als Führungsspieler auch psychologisch gefordert?
Galica:
Die erfahrenen Jungs wie Menzel, Groenhagen, Smereka oder ich müssen die Leute immer wieder wachrütteln. Wir müssen uns und den jüngeren Spielern immer wieder vor Augen halten: Die Oberliga wird kein Spaziergang! Wir müssen diese Aufgabe sehr ernst nehmen. Und als Team auftreten. Eine Lösung für solche Situationen gibt es nur als Einheit.

Bei wie viel Prozent liegt Ihrer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit, dass Kosova die Klasse hält?
Galica:
Wir müssen abwarten und hoffen, dass sie angeschlagenen Spieler schnell wieder zurückkommen. Wie bereits gesagt: Spielerisch sehe ich uns gar nicht so schlecht. Trotzdem kann unser Ziel nur das Erreichen des Klassenerhalts sein. Wenn wir weiterhin Fortschritte machen, sehe ich gute Chancen, dass uns das gelingt. Eine Prozentzahl zu nennen, ist schwer. Das kann ich nicht sagen. Das Potenzial, das Ziel zu erreichen, ist da. Aber auch wenn ich mich da wiederhole: Von uns muss mehr kommen als in der letzten Saison und bisher in der Vorbereitung. Dann können wir es schaffen.

Interview: Jan Knötzsch

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