Mein Sport Mikrofon

09.11.2015

Rzatkowski: „Ich habe einen Reifeprozess durchschritten“

FC St. Paulis Mittelfeldspieler im Exklusiv-Interview

Derzeit aus der Stammelf nicht wegzudenken: Marc Rzatkowski (Mitte) im Auswärtsspiel bei Union Berlin (3:3). Foto: dpa

In seinem dritten Jahr am Millerntor blüht er so richtig auf: Marc Rzatkowski (25) wird folglich auch wieder gegen Fortuna Düsseldorf im defensiven Mittelfeld für Struktur sorgen. Vorab sprach der Profi mit dem Sport Mikrofon über die aktuelle sportliche Situation, den heutigen Gegner sowie über seine Entwicklung beim FC St. Pauli.

Sport Mikrofon: Herr Rzatkowski, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die letzte Partie beim VfL Bochum?
Marc Rzatkowski
: Mit gemischten Gefühlen. Den Punkt nehmen wir zwar gerne mit, jedoch hätten es auch gut und gerne drei sein können. Allerdings ist der VfL schon eine gute Mannschaft und dafür haben wir uns erneut gut präsentiert und sind insgesamt auf einem guten Weg.

Anschließend gab es für Sie Heimaturlaub…
Rzatkowski:
Ja, das stimmt. Ich konnte so meine Eltern und meine Freunde mal wieder sehen, die alle auch im Stadion waren. Jedoch galt das nicht nur für mich - auch andere Mannschaftskollegen, die aus dem Westen kommen, durften dort bleiben. Allerdings haben wir auch alle eine Pulsuhr mitbekommen, denn wir mussten an den freien Tagen zwei Läufe absolvieren.

Nun steht Ihr Team seit Wochen hervorragend in der Tabelle da. Spricht man innerhalb der Mannschaft nicht automatisch mal über die erste Bundesliga?
Rzatkowski
: Nein, ehrlich nicht. Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir in Darmstadt in letzter Sekunde den Klassenerhalt geschafft und sind der drohenden 3.Liga von der Schippe gesprungen. Von daher wäre es vermessen, nun von der Bundesliga zu sprechen. Es ist wirklich keine Floskel, wenn ich sage: Wir konzentrieren uns voll und ganz auf die nächste Partie.

„Fortuna ist kein typischer Abstiegskandidat“

Gut, dann halten wir uns auch daran und blicken auf den heutigen Abend. Hätten Sie es für möglich gehalten, dass Fortuna Düsseldorf so tief unten in der Tabelle steht?
Rzatkowski:
Ehrlich gesagt nein, denn Fortuna hat einen gestandenen Kader. Allerdings sind viele neue Spieler dazugekommen und das braucht natürlich Zeit. Fortuna ist aber kein typischer Abstiegskandidat.

Kann man die Offensive um Ya Konan, Bolly und Sararer sowie den spielstarken Demirbay als das Prunkstück bezeichnen?
Rzatkowski:
Kann man so sagen. Natürlich hat Fortuna in der Offensive Qualität und auch sicher Tempo auf den Außenbahnen. Die oben genannten Spieler sind ja alle bekannt und deshalb müssen wir nach Ballverlust wieder gemeinsam zurückarbeiten. Allerdings haben wir gerade defensiv zuletzt sehr gut und kompakt gestanden. Das müssen wir auch gegen Fortuna wieder hinbekommen.

Mit Julian Koch kehrt heute ein alter Bekannter zurück. Im Umfeld des Vereins gab es leichte Verwunderung über seinen Wechsel innerhalb der Liga. Haben Sie seinen Schritt nachvollziehen können?
Rzatkowski:
Julian wollte Spielpraxis haben und ich weiß nicht, ob das bei Mainz 05 möglich gewesen wäre. Bei Fortuna ist er aktuell auf der Sechser-Position mit Sicherheit sehr wichtig und kann spielen.

Kommen wir mal zu Ihnen persönlich: Erleben wir in diesen Wochen den stärksten Marc Rzatkowski?
Rzatkowski (lacht):
Schwer zu beantworten. Ich habe in den letzen zweieinhalb Jahren sicher einen Reifeprozess durchschritten und bin dementsprechend auch stärker geworden. Diesen Umstand merkt man meinem Spiel sicher an, auch wenn ich immer noch Luft nach oben habe.

„Man muss im Privatleben auch mal abschalten“

Wenn man Sie in diesen Tagen beobachtet, fällt auf, dass Sie seit der neuen Saison offener und zugänglicher geworden sind. Gibt es Gründe dafür?
Rzatkowski:
Ich habe mir natürlich in der Sommerpause Gedanken gemacht. Daraus habe ich meine Schlüsse gezogen. Klar ist aber auch, dass man in so einer Saison, in der es um die Existenz geht, nicht immer mit einem Lachen rumlaufen kann. Da habe ich gewisse Dinge mit nach Hause in das Private genommen und dementsprechend ist man auch nicht ständig gut gelaunt.

Das sieht aktuell aber ganz anders aus…
Rzatkowski
: Klar läuft es in dieser Saison wesentlich besser. Aber unabhängig von Sieg oder Pleite habe ich mir im Sommer vorgenommen, im Privatleben auch einfach mal abzuschalten, denn es gibt auch ein Leben abseits des Fußballs

Sie sind vor zweieinhalb Jahren aus Ihrer Heimatstadt Bochum an die Elbe gewechselt. Haben sich Ihre Erwartungen an die Stadt und den Verein bislang erfüllt?
Rzatkowski
: Beim FC St. Pauli haben sich meine Erwartungen definitiv erfüllt. Das sieht man auch daran, dass ich noch unter Rachid Azzouzi meinen Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängert habe. Die Stadt Hamburg ist sehr schön, aber auch sehr groß. Dort muss man sich erstmal zurecht finden, wenn man ganz neu in der Stadt ist. So langsam aber habe ich schon so einige schöne Ecken in der Stadt kennengelernt und brauche auch kein Navigationssystem mehr, um mich zu Recht zu finden.

Interview: Frank Sorgatz

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