Mein Sport Mikrofon

11.02.2015

Otto Addo: „Bin für alles offen“

Ex-HSV-Profi spricht über die Jugendarbeit bei den Rothosen und seine persönliche Zukunft

Addo und die Raute: Der gebürtige Hamburger arbeitet seit 2009 als Trainer bei den Rothosen. Foto: Barklage

Noch bis zum Saisonende betreut Otto Addo die U19-Junioren des HSV. Was danach kommt, weiß er noch nicht. Im Interview mit dem Sport Mikrofon spricht der 39-Jährige über die Nachwuchsarbeit bei den Rothosen und was ein Youngster im Herrenbereich braucht, um erfolgreich zu spielen.Youngster

Als Jugendspieler ein Star - dann nichts mehr zu melden

Sport Mikrofon: Herr Addo, die von Ihnen betreuten U19-Junioren gehen als Tabellensiebter in die Rückrunde der A-Junioren-Bundesliga. Welches Ziel geben Sie für die verbleibenden Partien aus?

Otto Addo: Im gesamten Juniorenbereich des HSV ist immer das Saisonziel, so viele Spieler wie möglich an den Herrenbereich heranzuführen. Wir wollen die Jungs darauf vorbereiten – im Bestfall auf die Bundesliga.

Der Sprung von den Junioren in den Herrenbereich ist immens. Worin liegen die größten Unterschiede?

Addo: Das Körperliche ist der große Unterschied. Wenn ein Juniorenspieler aufgrund seiner Physis immer einen Vorteil hatte, kommt er bei den Herren in einen Bereich, wo alle Mit- und Gegenspieler die gleichen physischen Voraussetzungen haben. Die zweite Sache ist: Es gibt auch in Jugendteams Hierarchien, aber die sind im Herrenbereich viel, viel extremer. Da trifft ein 18-Jähriger auf einen 35-jährigen Routinier. Viele junge Spieler zerbrechen schon mental daran, damit umzugehen, das man zuvor in der Jugend ein Star war und dann kommt man in eine Mannschaft, wo man nichts mehr zu melden hat und nur noch nicken darf.

Der Ton ist rauer im Bundesliga-Geschäft

Welche Fähigkeiten benötigt ein Juniorenspieler, um sich dann im Herrenbereich vollständig durchzusetzen?

Addo: Ein junger Spieler muss ganz, ganz viele Fähigkeiten mitbringen, wie zum Bespiel Stressbewältigung und Kritikfähigkeit. Neben den ganzen sportlichen Fähigkeiten muss ein junger Fußballer ganz viele Kompetenzen erfüllen – und er muss seine neue Rolle im Team erkennen. Man muss generell auch seine Einstellung überdenken, egal ob es Ernährung ist oder seine Lebenseinstellung und Kompromisse finden, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein. Der Ton ist rauer im Bundesliga-Geschäft. Da wird knallhart um Plätze gekämpft.

Um im Herrenbereich zu bestehen, müssen die jungen Spieler also vor allem mental dazu in der Lage sein, sich neu anzupassen. Wie können Sie als Trainer da weiterhelfen?

Addo: In erster Linie ist es der Trainer, der sehr viel Verantwortung trägt. Ich versuche, die Jungen darauf vorzubereiten. Es ist immer ein schwieriger Übergang. Ich habe als aktiver Spieler viele Erfahrungen gesammelt, was wichtig dafür ist und ich kann es den Jungs jetzt weitergeben. Ich habe alle Lizenzen gemacht. Außerdem können die Spieler auch auf Mentaltrainer und Psychologen zurückgreifen. Wir vom Verein bieten den Spielern das an. Es ist aber kein Muss, diese Hilfe anzunehmen.

Aufstieg in die 3. Liga wäre zusätzlicher Ansporn für Junioren

Wie wichtig wäre es, wenn die U23 des HSV – derzeit Tabellenführer in der Regionalliga Nord – den Aufstieg in die 3. Liga schaffen würde?

Addo: Es wäre eine Riesensache für den Unterbau, wenn es die U23 in die 3. Liga schaffen würde, dann ist der Abstand zur Bundesliga auch nicht mehr so groß und die Jungs aus der A-Jugend wären noch ein Stück motivierter, wenn Sie im Herrenbereich in der 3. Liga spielen würden.

Seit Anfang der Saison ist Bernhard Peters für die Umstruktierung im Jugendbereich zuständig. Wie läuft die Zusammenarbeit mit ihm ab?

Addo: Das läuft alles ganz normal und ruhig ab. Alle zwei Wochen treffen sich alle Beteiligten des HSV-Nachwuchsleistungszentrums inklusive Bernhard Peters zu einer Besprechung in der Arena und dort wird dann über den aktuellen Stand der Dinge gesprochen.

Mit anderen Jugendtrainern ständig im Austausch

Am Ende der Saison wird Sie der bisherige U23-Trainer Daniel Petrowsky als U19-Coach beerben. Wie stehen Sie mit ihn unter der Woche in Kontakt?

Addo: Der Austausch mit allen Jugendtrainern – und natürlich auch mit Daniel Petrowsky – findet täglich statt. Mit Petrowsky stehe ich sowieso im Kontakt, da im Moment mit Sebastian Haut, Merphi Kwato, Johannes Kreidl, Armando Tikvic und Leon Pascal Kroiß fünf Spieler aus meinem U19-Kader beim Regionalliga-Team mittrainieren. Auch nach den Spielen unterhalten wir uns ausführlich über den Leistungsstand einiger Spieler.

Wie sieht eine typische Trainingswoche bei den U19-Junioren aus?

Addo: Insgesamt haben die Jungs sieben Mal in der Woche Training, wenn Sie auf eine der drei Kooperationsschulen gehen. Aus meiner Mannschaft sind es aber längst nicht alle. Jeden Tag um 18 Uhr ist Training – außer mittwochs. Dazu kommt noch je nach Bedarf individuelles Training mit unseren Fitness- und Techniktrainern. Am Wochenende stehen dann die Spiele im Vordergrund. Samstags findet meistens morgens noch ein Abschlusstraining statt. Am Sonntag nach den Partien steht auch eine Einheit an, es sei denn sie fällt aus. Das ist aber nur der Fall, wenn wir tags zuvor gewonnen haben.

Schon 15-Jährige mit Spielerberater

Als Junioren-Trainer müssen Sie sicher auch eine gewisse soziale Kompetenz haben, denn oft genug werden sich unzufriedene Eltern bei Ihnen beschweren, oder?

Addo: Das stimmt. Aber das gehört zum Job eines Trainers dazu. Ich muss auch viel mit den Spielerberatern diskutieren, aber auch darüber ärgere ich mich nicht.

Die U19-Junioren haben alle schon einen Spielerberater?

Addo: Ganz ehrlich, das fängt schon in der U15 an.

Die Zeiten ändern sich, oder hatten Sie damals, als Sie vom VfL 93 zu Hannover 96 gegangen sind, auch schon einen Berater?

Addo: Nein, bei mir war das damals anders. Mich hat keiner beraten. Erst als ich von Hannover nach Dortmund gegangen bin, fing das bei mir an.

"Ich bin für alles offen"

Apropos, VfL 93: Verfolgen Sie noch ihre alte Mannschaft? Wie gut kennen Sie sich noch im Hamburger Amateurfußball aus?

Addo: Durch das Sport Mikrofon bin ich immer informiert (lacht). Ich habe noch viele Freunde und Bekannte, die in den Hamburger Amateurligen kicken, dadurch bleibe ich einigermaßen auf dem Laufenden.

Zum Abschluss noch die Frage nach Ihrer Zukunft. Sie haben alle nötigen Trainer-Lizenzen. Wann sehen wir Sie in der Bundesliga?

Addo: Wie für alle anderen, gilt auch für mich, das man immer das Bestmögliche erreichen möchte. Aber ich setze mich nicht unter Druck. Ich fühle mich auch als Jugendtrainer wohl. Natürlich möchte ich mich weiterentwickeln und bin sehr ehrgeizig.

Sie waren auch mal als Nationaltrainer von Ghana im Gespräch...

Addo: Ich bin für alles offen. Ich muss auch schauen, wie sich die Dinge beim HSV entwickeln.

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