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10.01.2017

NEUE SERIE: Hamburgs Nationalspieler

Folge 3: Erwin „Ebbe“ Stührk (Eimsbütteler TV)

Erwin „Ebbe“ Stührk war als harter Hund im Zweikampf gefürchtet

Getauft wurde der kleine blonde Lockenkopf auf den Namen Erwin, doch in Eimsbüttel kannte man den Maler, der im elterlichen Betrieb arbeitete, nur unter dem Namen „Ebbe“ Stührk. Von eher schmächtiger Gestalt, bestach der Eimsbütteler Publikumsliebling durch seine „famosen Kopfbälle“ und die Zähigkeit, die er im Zweikampf an den Tag legte.
Die Qualitäten des Hamburgers, der auch als Schlagballspieler beim ETV überzeugte, sprachen sich bald herum. Reichstrainer Otto Nerz ließ den geschickten Aufbauspieler noch vor der Fußballweltmeisterschaft 1934 Notiz beobachten. Fast hätten ihn seine Qualitäten zur WM nach Italien geführt, doch als Nerz ihn beim deutschen Endrundenspiel 1934 in Düsseldorf-Benrath sah, hatte Stührk einen rabenschwarzen Tag erwischt. Nichts wollte ihm an diesem Tag gelingen, er traf sogar einmal ins eigene Tor.
Am 27. Januar 1935 feierte Stührk im Stuttgarter „Adolf-Hitler-Stadion“ beim glatten und begeisternden 4:0 über die Schweiz dann doch sein Debüt in der Nationalelf. „Unerschrockenheit und Schnelligkeit sind seine besonderen Eigenschaften“, lobte das Programmheft in der Vorschau. Eine Fußballfachzeitschrift setzte noch einen drauf, fabulierte im Jargon der damaligen Zeit: „Haarfarbe: hellblond; besondere Kennzeichen: Fürchtet Tod und Teufel nicht.“
Doch Stührk konnte die Vorschusslorbeeren nur teilweise bestätigen. Nach dem klaren Sieg fiel das Urteil der Fachpresse differenziert aus. Ein Berichterstatter lobte sein „hervorragendes Verteidigerspiel“ und bezeichnete ihn als „ganz große Fußballhoffnung“. Die Fußballwoche urteilte über sein Debüt: „Stührk schlug in der Nationalmannschaft so gut ein, wie wir es von ihm erwartet hatten. Wir wussten es. Dieser Mann kann nicht versagen. Einer, der so forsch aufs Ganze geht, der so blitzschnell und energisch handelt, kann im Rahmen der Nationalmannschaft, die jeden hält, nicht ausfallen.“ Das Fachblatt kicker war jedoch nicht so begeistert von der Leistung Stührks, der bei einem Testspiel wenige Tage zuvor nicht überzeugen konnte: „Man hörte die ganze Woche über in Stuttgart die größten Bedenken gegen die Verwendung des Hamburgers. Er hat aber diese Bedenken im Spiel schnell und gründlich zerstört. Er fuhr dazwischen wie der Blitz, hatte ein Auge für die Stellen, von wo die Gefahr zu drohen schien und war auf dem Posten.“ Doch der kicker verschwieg nicht die Schwierigkeiten, die Stührk mit dem besten Schweizer, Linksaußen Iaeck, hatte und kam zum Urteil: „Internationale Klasse ist er noch nicht.“
In die stieg er auch später nicht auf. Nach zwei weiteren Länderspielen und der Vollendung des Eimsbütteler Meisterschafts-Hattricks 1936 wurde es um Stührk etwas ruhiger – zumindest, was die Eintragungen in das berühmt-berüchtigte Notizbuch von Sepp Herberger betrifft, der inzwischen für die Nationalmannschaft zuständig war. An seinen starken Konkurrenten Paul Janes und Reinhold Münzenberg kam er nicht vorbei. Eine langwierige Meniskusverletzung zwang Stührk Ende der 1930er-Jahre dazu, kürzer zu treten. Der Krieg beendete kurz darauf nicht nur seine Karriere, sondern kostete ihn auch sein Leben. 

Volker Stahl

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