Mein Sport Mikrofon

15.07.2016

„Mit mir klarzukommen, ist nicht das Leichteste“

Bramfelds Milos Ljubisavljevic im Interview

Neu in Bramfeld: Milos Ljubisavljevic trug in der vergangenen Saison das Trikot des USC Paloma. Foto: noveski.com

In der vergangenen Saison endete sein Engagement beim USC Paloma vorzeitig. Im Interview spricht Milos Ljubisavljevic (25) über die Gründe für seinen vorzeitigen Abschied von der Brucknerstraße, sein Ziel im Duell gegen die „Tauben“ sowie seine Ruf als schwieriger Charakter und verrät, warum der Wechsel in die Landesliga für ihn kein Karriereknick ist.

Sport Mikrofon: Herr Ljubisavljevic, wie sehr freuen sie sich jetzt schon auf den 14. August 2016?
Milos Ljubisavljevic: Was ist an dem Tag?

Der Bramfelder SV trifft dann auf den USC Paloma, ihren letzten Club.
Ljubisavljevic: Ach, ist das echt schon so früh...?

Ist das für Sie ein ganz besonderes Spiel?
Ljubisavljevic: Ja. Das wäre ein super Erlebnis. Aber ich stehe dem BSV an dem Tag gar nicht zur Verfügung, weil ich dann im Urlaub bin.

Aber es gibt ja noch das Rückspiel...
Ljubisavljevic: Da kann sich Paloma dann auf was gefasst machen!

Weil Sie es ihrem Ex-Verein zeigen wollen? So nach dem Motto „Guckt mal, was ich kann“?
Ljubisavljevic: Nein, das nicht. Mit dem Verein habe ich keine Probleme. Aber gegen seinen Ex-Club will jeder ein Zeichen setzen

"Ich habe das Gefühl, dass es in Bramfeld passt"

Ihre Zeit an der Brucknerstraße endete mitten während der Saison im März 2016. Was ist damals genau vorgefallen?
Ljubisavljevic: Der Schritt hat sich nach und nach angedeutet, Schon vor meinem Abschied sind einige Spieler gegangen, dann hat sich abgezeichnet, dass viele zum Saisonende den Verein verlassen wollen. Es hat zwischen Trainer und Mannschaft nicht gepasst. Auch die Ergebnisse waren nicht ideal. Die Mannschaft war unzufrieden, der Trainer war unzufrieden. Für mich war irgendwann ein Punkt erreicht, wo ich nicht mehr weitermachen wollte. Beide Seiten haben sich geeinigt, die Sache zu beenden. Und da war ich froh drüber.

Man sagt Ihnen nach, Sie seien en nicht ganz einfacher Charakter. Stimmt diese Kritik?
Ljubisavljevic: Ich bin ehrgeizig. Ich will jedes Spiel gewinnen. Ist doch logisch, dass man sauer ist, wenn das nicht klappt. Ich bin allerdings auch sehr selbstkritisch. Aber wenn es ein Trainer nicht schafft, vernünftig mit einem zu reden oder eine Ansage zu machen, gibt es natürlich Probleme mit mir. Aber das ist bei anderen auch so. Wenn ein Trainer nicht in der Lage ist, einem zu sagen,warum man nicht im Kader ist oder nicht spielt, dann ist das scheiße.

Also haben Ihre Trainer bisher einfach nicht gewusst, wie sie mit Ihnen umgehen müssen?
Ljubisavljevic: Ich weiß nicht, wo ich die Probleme gehabt haben soll, die mir nachgesagt werden. Ich komme mit vielen meiner Ex-Vereine immer noch gut aus.

Wenn man sich Ihre fußballerische Vita ansieht, fällt allerdings auf, dass die Verweildauer bei Ihren Vereinen immer eher kurz war. Sind Sie zu ungeduldig?
Ljubisavljevic: Ich kann sagen; Ja, mit mir klarzukommen, ist nicht das Leichteste. Es ist aber auch nicht unmöglich. Ich habe das Gefühl, dass es in Bramfeld passt. Unser Trainer Florian Neumann hatte bisher keine Probleme mit mir – da können Sie ihn fragen. Ich will Spaß am Fußball haben, aber ich ziehe meinen Stiefel auch durch – vielleicht kann man schon sagen, dass es zu einem Teil auch an mir liegt, dass ich nicht langfristig bei einem Verein war...

"Hier spielen unheimlich geile Jungs"

Alles auf Angriff An seiner neuen Wirkungsstätte will Milos Ljubisavljevic beweisen, was er kann. Foto: noveski.com

Beim VfR Neumünster zum Beispiel hielt es sie nur fünf Monate, in denen Sie vier Spiele in der Regionalliga absolvierten. Warum hat es dort nicht zu mehr gereicht?
Ljubisavljevic: Ich habe damals den Sprung in die Regionalliga gewagt, aber zugleich auch meine Ausbildung gemacht, die mir sehr sehr wichtig war. Ich bin also zweigleisig gefahren. Ich habe von 8 bis 17 Uhr im Anzug in der Firma gesessen, wo man sich auch den Arsch aufreißen muss und musste dann noch 80 Kilometer zum Training – eine Strecke, wohlgemerkt. Da ist es nicht einfach, vier oder fünf Mal die volle Leistung und Konzentration abzurufen. An den Wochenenden kamen ja auch noch Auswärtsfahrten nach Meppen, Goslar oder Emden dazu. Ich kannte es bis dahin nur, im Hamburger Raum zu spielen. Es war schwierig, dass alles unter einen Hut zu bekommen.

Ist der Zug in Richtung Regionalliga damit für Sie inzwischen abgefahren?
Ljubisavljevic: Prinzipiell ist alles möglich, also auch nochmal in der Regionalliga zu spielen. Aber meine Konzentration liegt zunächst auf dem Job. Da muss schon alles zusammenpassen.

Nun sind Sie als in der Regional- und Oberliga erprobter Spieler erstmals in die Landesliga gewechselt. Warum ist das auch Ihrer Sicht kein Karriereknick?
Ljubisavljevic: Für mich war nach den Negativerlebnissen zuletzt jetzt wichtig, endlich wieder Spaß am Fußball haben. Und ich glaube, in Bramfeld kann man den haben. Hier spielen unheimlich geile Jungs. Ich kannte mit Marcel Schwarck und Robert Pietruschka schon zwei davon vorher privat.

Also war das der ausschlaggebende Grund, um nach Bramfeld zu wechseln? Oder gab's für Sie einfach keine Angebote aus der Oberliga?
Ljubisavljevic: Doch, die gab es. Aber ich habe zum einen darauf geachtet, dass mein neuer Verein nicht weit weg von meinem Wohnort Barmbek liegt. Zudem muss ich mich in einigen Dingen nach meinem Beruf richten. Vier Mal Training und ein Spiel in der Woche damit zu koordinieren, ist schwierig. Und Robert Pietruschka hat immer wieder gefragt, ob ich nicht Lust habe, nach Bramfeld zu kommen. Er hat mir einfach Geschmack auf den Verein gemacht.

Welche Rolle haben Sie sich beim BSV vorgenommen? Angesichts Ihrer bisherigen Karriere müssten Sie eine Führungsrolle übernehmen...
Ljubisavljevic: Klar. Das steht außer Frage. Mit meiner Erfahrung muss ich das sein.

"An erster Stelle steht, dass ich Spaß am Fußball habe"

Beim Test gegen BU II in der vergangenen Woche wurde es vorne nur gefährlich, wenn Sie beteiligt waren. Überwiegt die Lust, zu beweisen, was man kann und Mitspieler mitzuziehen oder eher der Frust, dass man ein bisschen auf sich allein gestellt ist?
Ljubisavljevic: Man darf das Ganze nicht übers Knie brechen. Wir sind gerade mal ein paar Wochen in der Vorbereitung. Da kann man noch nicht sagen, wie alles später in der Saison funktioniert. Hinzu kommt: Gegen BU II hab' ich zum ersten Mal seit gefühlt zehn Jahren wieder auf der Zehner-Position gespielt. Ich muss mich einfügen, es muss sich alles entwickeln. Ich bin mir sicher, dass wir uns finden werden.

Ihr Trainer Florian Neumann plant nach eigener Aussage mit Ihnen als „Zehner“. Sind Sie mit dieser Position einverstanden?
Ljubisavljevic: Ich bin ein Offensiv-Allrounder. So lange ich im Spiel den Weg nach vorne gehen kann, ist es mir egal, ob ich über rechts oder links komme, in der Spitze spiele oder als „Zehner“ spiele.

Haben Sie sich denn ein persönliches Ziel gesetzt, wie viele Tore Sie im Bramfeld-Trikot in dieser Saison erzielen wollen? Oder ist das egal und der Gedanke, als Mannschaft Erfolg zu haben, steht für Sie im Vordergrund?
Ljubisavljevic: Es gibt keine Anzahl an Toren, die ich schießen muss. Das ist zweitrangig. An erster Stelle steht, dass ich Spaß am Fußball habe.

Interview: Jan Knötzsch

Autor: Jan Knötzsch

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