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27.07.2016

„Ich steh' auf Offensive und Ballbesitz“

Buxtehude II-Trainer Jendrik Matthies

Ex-Oberliga-Spieler Jendrik Matthies gibt jetzt als Trainer des Buxtehuder SV II den Weg vor. Foto: noveski.com

Jendrik Matthies zählte zur Mannschaft des Buxtehuder SV, die in der Saison 2013/14 den Aufstieg in die Oberliga schaffte und spielte zuletzt beim FC Este 2012. Jetzt ist er zurück im Jahnstadion. Als Trainer der BSV-Reserve.
Im Interview spricht der 33-Jährige über seine ersten Wochen als Coach, das Saisonziel sowie die Bedeutung seines Co-Trainers Alexander Schulenburg und verrät, ob er als Trainer mit dem Spieler Matthies klargekommen wäre.

Hallo Jendrik, Sie haben Anfang des Monats Ihr am als Trainer des Buxtehuder SV II angetreten. Mal ehrlich: Wie oft hat es Sie in den vergangenen Wochen in den Füßen gejuckt, doch lieber auf statt neben dem Platz zu stehen?
Jendrik Matthies:
Das hält sich in Grenzen. Klar: Es juckt hin und wieder, aber ich habe mich ganz gut an die neue Aufgabe gewöhnt. Und außerdem stehe ich ja nicht nur neben dem Platz, sondern auch weiterhin drauf, wenn ich im Training Übungen aufbaue... (lacht).

Mit 33 Jahren hätten Sie gut und gerne auch noch weiter spielen können. Wann und warum kam für Sie die Entscheidung, die Seiten zu wechseln?
Matthies:
Unser Manager René Klawon ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, diesen Posten zu übernehmen. Ich musste schon etwas länger darüber nachdenken. Das entscheidet man ja nicht von der einen auf die andere Sekunde. So richtig geplant war es nie, dass ich sofort Trainer werde. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich vielleicht erstmal als Co-Trainer irgendwo reinschnuppere nach meiner aktiven Karriere.

Wir klappt es denn mit der Umstellung vom Spieler- auf das Trainerdasein?
Matthies:
Ganz gut. Ich finde, dass das gar nicht so schlimm ist.

Was haben Sie in den ersten Wochen als Trainer gelernt?
Matthies:
Dass man ziemlich oft am Telefon hängt (lacht). Hier sagt mal ein Spieler ab, der nicht kommen kann, da muss irgendwas organisiert oder koordiniert werden – das ist schon neu für mich.

Gibt es Dinge, die Ihnen in der neuen Position leicht von der Hand gehen oder solche, die Ihnen schwer fallen, weil Sie sich noch nicht so kennen?
Matthies:
Ich habe in den vergangene Jahren viel von den Trainern mitgenommen, unter denen ich gespielt habe. Natürlich sind manche Sachen erst einmal ungewohnt, aber da findet man sich mit der Zeit rein, denke ich. Ich glaube, in den ersten Wochen der Vorbereitung habe ich das schon gut hinbekommen.

Nehmen wir mal ein Beispiel: Sie müssen einem Spieler mitteilen, dass er nicht spielt. Ist es ein Vorteil, dass sie wissen, wie man sich in dem Moment als Spieler fühlt, weil das bei Ihnen ja auch noch nicht so lange her ist?
Matthies:
Einfach wird es garantiert nicht sein, wenn diese Situation auftritt. Und sie wird jede Woche kommen, dessen bin ich mir bewusst. Natürlich weiß ich, wie enttäuscht die betroffenen Spieler dann sein werden, aber damit muss man klarkommen – egal, ob man aus Leistungsgründen oder aber vielleicht wegen mangelnder Trainingsbeteiligung nicht im Kader ist. Jeder hat jede Woche die Chance, das für das nächste Spiel selbst zu ändern.

„67 Gegentore sind zu viel“

Sie galten als impulsiver Spieler. Wäre der Trainer Matthies mit dem Spieler Matthies klargekommen?
Matthies:
Oha, das ist eine gute Frage... Ich hätte es als Trainer nicht leicht mit mir gehabt, aber ich denke, es hätte funktioniert.

Wie wichtig ist es, dass Ihnen mit Alexander Schulenburg ein Ex-Mitspieler als Co-Trainer zur Seite steht, der zudem auch noch etwas ruhiger ist als Sie?
Matthies:
Es ist perfekt, dass er mein Co-Trainer ist. Wir harmonieren sehr miteinander – sowohl früher auf dem Platz als auch menschlich. Ich hatte zwei, drei Leute für diesen Posten auf der Liste und musste das natürlich erstmal mit ihm absprechen, weil er ja bald auch Vater wird. Im Endeffekt habe ich ihn aber recht schnell überzeugt und bin froh darüber.

Wird er Sie an der Seitenlinie das eine oder andere Mal bremsen müssen?
Matthies:
Bis jetzt war das zum Glück noch nicht der Fall! Aber es schadet nicht, dass er neben mir sitzt oder steht...

Welche Fußballphilosophie oder Spielidee bringt der Trainer Jendrik Matthies mit?
Matthies: I
ch finde es schwer, dass jetzt schon umfassend zu beantworten. Ich bin gerade mal ein paar Wochen Trainer und man muss ja auch immer gucken, was für Spieler man in seiner Mannschaft hat. Wenn wir nicht mehr in der Vorbereitung sondern im Wettkampf sind, dann kann man sich schon eher ein urteil darüber bilden. Außerdem muss ich ja auch abwarten, wie das mit Abstellungen aus der „Ersten“ und an die „Erste“ aussieht. Prinzipiell stehe ich auf Offensivfußball. Und auf Ballbesitz. Wenn wir den Ball nicht haben, müssen wir hinterherlaufen. Das hab' ich noch nie gemocht.

„Wollen nicht unten rein rutschen“

Jendrik Matthies gibt das Ziel aus, in dieser Saison nicht absteigen zu wollen. Foto: noveski.com

Als was für einen Trainertypen würden Sie sich charakterisieren?
Matthies:
Man kann jetzt nicht sagen: „Der Matthies ist ein Schleifer“ oder „Er ist ein Kumpeltyp“. Ich versuche, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Ich weiß aber schon, dass ich als Trainer Dinge tun muss, die ich als Spieler nicht mochte... Laufeinheiten ansetzen, zum Beispiel.

Gibt es Vorbilder auf dem Trainerposten?
Matthies
: Bis auf seine letzten Stationen fand ich Thomas Schaff als Trainer immer ganz gut. Mir hat imponiert, mit welcher Ruhe er bei Werder Bremen gearbeitet hat. Aber ich mag auch so einen Motivator wie Diego Simeone von Atletico Madrid. Selbst, wenn er das komplette Gegenteil von Schaaf ist.

Und wie ist das mit Sven Timmermann und René Klawon? Sie haben sowohl unter dem aktuellen BSV-Coach als auch seine Vorgänger und jetzigen Manager gespielt...
Matthies:
Ich hab' mir von jedem Trainer, unter dem ich gespielt habe, etwas abgeguckt. René ist ein Motivator, Sven im Vergleich dazu ruhiger und ein akribischer Arbeiter. Vor allem, wenn es um die Vorbereitung auf den Gegner geht. Der weiß wirklich alles über jeden Gegner. Ich muss als Trainer für mich noch die richtige Mischung finden.

Wie wird die Zusammenarbeit mit Timmermann als Coach der „Ersten“ ablaufen? Begegnen sich der Trainer und sein Ex-Spieler jetzt auf Augenhöhe?
Matthies:
Da sehe ich gar kein Problem, weil wir nicht nur Trainer und ehemaliger Spieler, sondern auch gut miteinander befreundet sind.

René Klawon war von 2003 bis 2009 auch Trainer der BSV-Reserve, ehe er zum Coach der „Ersten“ wurde und diese später in der Landes-und Oberliga betreute. Eifern Sie ihm nach und wir sehen Sie in ein paar Jahren als Oberliga-Trainer?
Matthies:
Das weiß ich ehrlich gesagt jetzt noch gar nicht. So weit denke ich noch nicht. Dazu ist es viel zu früh. Als Spieler wollte ich immer so hoch wie nur möglich aktiv sein. Denkbar, dass das als Trainer später auch so sein wird.

Gut, vorerst aber gilt die Konzentration dem BSV II. Was kann man in der neuen Saison von Ihrem Team erwarten?
Matthies:
Ich will mit der Mannschaft nicht abzusteigen. Wenn man sich die letzte Saison ansieht, kann das Ziel erstmal nicht anders lauten. Natürlich wäre ein einstelliger Tabellenplatz am Ende toll, aber wir haben in der vergangenen Spielzeit 16 Niederlagen kassiert. Daran müssen wir arbeiten. Das gilt auch für das Torverhältnis: 67 Gegentore in einer Saison sind einfach zu viel. Wir wollen einfach nur nicht unten rein rutschen. Es gibt in der Liga Teams mit ganz anderen Möglichkeiten. Finkenwerder, Inter 2000 oder Altenwerder zum Beispiel. Ich hoffe, dass wir so viele Punkte wie möglich holen und keine Probleme bekommen.

Interview: Jan Knötzsch

Autor: Jan Knötzsch

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