Mein Sport Mikrofon

27.07.2016

„Ich hab’ richtig Bock auf die Saison“

Börnsens neuer Trainer Mike Breitmeier im Interview

Klare Zielvorgabe Coach Mike Breitmeier will mit dem SV Börnsen besser abschneiden als Vorgänger Mirko Petersen, der mit dem Team Siebter wurde. Foto: Bode

Nach einem Jahr ohne Verein ist Mike Breitmeier zurück auf Hamburgs Amateurfußball-Bühne. Der 45-Jährige hat beim SV Börnsen die Nachfolge von Mirko Petersen angetreten. Im Interview verrät Breitmeier, welche Erinnerungen er an seine vorherige Station beim SC Sperber hat und er keine Sehnsucht nach der Oberliga verspürt. Zudem spricht er über die Qualität seiner neuen Mannschaft und warum er Angebote anderer Vereine abgelehnt hat.

Sport Mikrofon: Herr Breitmeier, wie sehr haben Sie sich in den vergangenen Wochen darauf gefreut, dass Sie endlich wieder auf dem Trainingsplatz stehen?
Mike Breitmeier:
Ich habe mich sehr auf diesen Moment gefreut. Immerhin war ich ein Jahr lang kein Trainer und habe hin und wieder Spiele gesehen, wo ich dachte: „Scheiße, warum macht der Trainer das im Spiel jetzt gerade so oder so – das hättest du selbst anders gemacht“. Ich hab richtig Bock auf die Saison. Der SV Börnsen ist ein richtig schöner familiärer Verein – das passt wie die Faust aufs Auge.

Die Anfrage des SV Börnsen, als Nachfolger für den als Co-Trainer zum SV Eichede gewechselten Mirko Petersen zu übernehmen, kam kurzfristig. Hatten Sie schon Angst, noch eine Saison ohne Trainertätigkeit zu bleiben?
Breitmeier:
Nein, diese Angst hatte ich nicht. Wenn es so gewesen wäre, dass ich keinen neuen Verein gehabt hätte, dann wäre es eben so gewesen. Ich bin nie als Zuschauer zu spielen gegangen, wo ein Trainerstuhl frei war oder es sich andeutete, dass es einen Wechsel geben könnte. Ich habe mich auch nie irgendwo angeboten. Ich war sehr entspannt. Ohne arrogant klingen zu wollen: Ich denke, dass ich genügend Qualitäten habe, um die viele wissen. Es war klar, dass irgendwann wieder ein Verein kommen würde.

„Ich hatte keine Angst, weiter ohne Verein dazustehen“

Gab es vor und während der letzten Saison keinerlei Angebote oder warum dauerte Ihre Pause so lange?
Breitmeier:
Doch, die gab es. Es gab Anfragen von UH-Adler, dem MSV Hamburg und dem Störtebeker SV. Bei mir ist es so, dass ich ein Kribbeln spüren muss. Das habe ich bei diesen Vereinen nicht. Wenn ich irgendwo Trainer werde, dann muss es für mich passen und ich muss mir sicher sein, dass das Kribbeln so groß ist, dass ich dafür Teile meiner Freizeit opfern will.

Tat diese Pause eigentlich gut? Oder hatten sie Entzugserscheinungen vom Fußball?
Breitmeier:
Sie hat definitiv gut getan. Ich bin seit 21 Jahren Trainer, da kann man auch mal eine Pause gebrauchen. Auch meine neue Freundin, mit der ich seit drei Jahren zusammen bin und die Fußball eigentlich nur interessiert, wenn die Nationalelf spielt, hat sich gefreut, dass ich öfter Zeit hatte.

Was haben Sie in den zwölf Monaten gemacht, in denen Sie kein Team coachten?
Breitmeier:
Natürlich beschäftigt man sich mit der aktuellen Trainingslehre und guckt, was für neue Übungen es gibt. Ich hab zudem viele Spiele gesehen.

Welche Entwicklungen haben Sie fußballerisch in Hamburg allgemein in diesem einen Jahr ausgemacht?
Breitmeier:
Das ist eine schwere Frage. Eigentlich keine so großen Entwicklungen. Im Amateurfußball versuchen viele Trainer Dinge aus dem Profibereich zu kopieren. Früher haben wir noch mit einem Libero gespielt, dann wurde die Viererkette modern und hat auch in Hamburgs Ligen Einzug gehalten. Jetzt versuchen manche Trainer es mit einer Dreierkette. Was ich sagen kann ist, dass meiner Meinung nach das Niveau in den Landes- und Bezirksligen gesunken ist – auch wenn die Landesliga Hansa in dieser Saison von den Namen her aller Ehren wert ist. Man muss abwarten, wie das fußballerisch sein wird. Die Einstellung bei vielen Spielern hat sich geändert. Als ich Anfang 20 war, habe ich meinen Urlaub in die Sommerpause gelegt – das haben 95 Prozent so gemacht. Heute ist das nicht mehr so und die Spieler fehlen einfach.

„Aus der Zeit bei Sperber ist nichts Negatives hängengeblieben“

Altbekanntes Duo Mit Co-Trainer Thorsten Koß arbeitete Mike Breitmeier schon in Amühle und Wandsetal zusammen. Foto: Bode

Sie trainieren die Mannschaft jetzt seit wenigen Wochen. Wie ist Ihr erster Eindruck von der neuen Truppe?
Breitmeier:
Die Jungs sind Weltklasse. Wir haben mit Jannik Krienke und Timo Geppert nur zwei neue Spieler dazu bekommen. Ich denke, es spricht für sich, dass viele Spieler geblieben sind. Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist einfach groß. Die Jungs gieren nach neuen Informationen und Aufgaben. Sie wollen lernen und setzten die Vorgaben gut um. Es macht Spaß, etwas zu entwickeln und Ratschläge zu geben.

Welche Spieler sollen in der Mannschaft zu Leistungsträgern und Führungsfuguren werden?
Breitmeier:
Das Gute ist, dass sich im Moment alle mit Leistung anbieten. Vorne haben wir zum Beispiel Frank Punert, bei dem es immer wieder umwerfend ist, was er mit seinem geringen Radius macht. Marcel Hamester habe ich von der Sechser-Position nach vorne gezogen. Auch auf Patrick Steffens, der momentan noch Probleme mit der Bandscheibe hat, baue ich. Hinten haben wir mit Christian Senkpiel, Martin Bitterkleit, Clemens Brinkmann und Christopher Kleinert einige Auswahl in der Innenverteidigung oder auf der Sechs. Insgesamt besitzen wir viel Qualität auf vielen Positionen.

Auf was für eine Art Fußball dürfen sich die Anhänger des SV Börnsen in der neuen Serie freuen?
Breitmeier:
Die Mannschaft hat viel Potenzial. Im Moment laufen wir im 4-4-2-System auf, aber auch das 4-2-3-1 haben wir schon ausprobiert. Wir machen einiges anders als in der Vorsaison. Ich setzte zum Beispiel bei der Viererkette an, die immer sehr hoch gestanden hat und bisher auf Teufel komm raus auf den Gegner draufgegangen ist. Ich hab den Jungs gesagt, dass wir quasi weglaufen, wenn wir den Ball verlieren. Sie haben mich nur fragend angeguckt. Das soll nichts anderes heißen, als dass wir bei Ballverlusten tief stehen müssen.

Und in welche Tabellenregion soll Ihre Fußball-Philosophie führen?
Breitmeier:
Wir wollen besser als in der letzten Saison, in der die Mannschaft Siebter wurde. UH-Adler und Rahlstedt werden eine gute Rolle spielen und es wird sicher auch eine Überraschungsmannschaft geben, aber wenn uns ein guter Start gelingt und wir nach sieben Spieltagen oben stehen, dann bin ich mir sicher, dass wir weiter oben dabei bleiben. Die Mannschaft hat Selbstvertrauen. Und sie hat das Funkeln in den Augen. Wenn’s nach meinen Spielern geht, kann die Saison sofort losgehen...

Mit Ihrem letzten Verein, dem SC Sperber, fehlten in der Landesliga Hammonia-Saison 2014 am Ende drei Punkte zum Klassenerhalt. Wie sehr brennt sich so ein Negativerlebnis ins Gedächtnis ein?
Breitmeier:
Ich nehme aus der Zeit nur positive Erfahrungen mit. Klar: Wir sind abgestiegen und man denkt darüber nach, wo man den einen oder anderen Punkt hätte mehr holen können. Die Aufgabe beim SC Sperber war unheimlich emotional und hat Spaß gemacht. Ich habe dort geile Typen getroffen. Es ist nichts Negatives hängengeblieben.

Für einen Trainer mit UEFA-A-Lizenz ist es eher ungewöhnlich, dass er in der Bezirksliga trainiert. Wie groß ist die Sehnsucht nach der Oberliga?
Breitmeier:
Von Sehnsucht würde ich nicht sprechen. Ich bin ehrgeizig. Wenn ich eine Sache mache, dann mache ich sie richtig. Da ist es egal, ob das in der Ober- oder der Bezirksliga ist. Ich muss Spaß an meinem Trainerjob haben – da gehört auch die dritte Halbzeit manchmal dazu. Der größte Erfolg ist es, wenn ich Spielern etwas mitgeben kann und man meine Handschrift erkennt.

Interview: Jan Knötzsch

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