Mein Sport Mikrofon

11.04.2016

Herr Koops, wieso bestrafen Sie Unbeteiligte?

Darüber spricht man in Hamburg: Die Kolumne von Jonas Altwein

Fan-Verbot: Der Hamburger SV III muss seine kommenden drei Pflichtspiele auf eigener Anlage unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Treffen tut man damit jedoch vor allem unbeteiligte Vereine. Foto: noveski.com

Das mit Hochspannung erwartete Urteil im Fall um den Spielabbruch beim Hammonia-Landesligaspiel zwischen dem HSV III und dem FC Teutonia 05 hat einige Fragen aufgeworfen. So verdonnerte das HFV-Sportgericht unter dem Vorsitz von Christian Koops in der finalen Verhandlung am vergangenen Mittwoch den HSV III unter anderem zu drei Heimspielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das bedeutet, dass sich zu den Liga-Spielen gegen TuS Osdorf (22. April) und FC Elmshorn (6. Mai) sowie dem ersten Pflichtspiel der kommenden Saison niemand außer den beteiligten Mannschaften, den Offiziellen und dem Schiedsrichtergespann auf der Anlage an der Ulzburger Straße befinden darf.



Sprich: Der HFV hat mit der Auflage dieser „Geisterspiele“ nicht nur den HSV III empfindlich bestraft (der Verein rechnet mit einem Einnahmeverlust in Höhe von mindestens 1800 Euro), sondern auch die Gast-Mannschaften massiv getroffen. Sowohl der TuS Osdorf (Meisterschaft) als auch der FC Elmshorn (Abstiegskampf) müssen somit in einer entscheidenden Phase der Saison auf die Unterstützung der eigenen Anhänger verzichten und haben dementsprechend einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz. Das HFV-Sportgericht muss sich also folgende Frage gefallen lassen: Wieso bestrafen Sie Unbeteiligte?

Warum kein Alkohol-Verbot?

In der Verhandlung, die am 9. März eröffnet und am 6. April beendet wurde, kam immer wieder die Thematik um den Ausschank von hartem Alkohol bei Heimspielen des HSV III auf. Der Sportgerichtsvorsitzende Christian Koops legte den Verantwortlichen des HSV III sogar nahe, zu überdenken, ob es richtig sei, Hochprozentiges an seine in der Vergangenheit wiederholt wegen unsportlichen Verhaltens auffällig gewordenen Anhänger auszuschenken. Wäre es dann nicht viel sinnvoller gewesen, dem HSV III in besagtem Zeitraum (drei Heimspiele) den Verkauf von Alkohol zu untersagen, wie es zum Beispiel bei internationalen Pokalspielen in der UEFA üblich ist? Klar, müsste dann natürlich auch gewährleistet sein, dass an den Eingängen zur Sportanlage strenge Kontrollen durchgeführt werden. Doch so würde sich zumindest der Schaden, den nun auch die Gast-Mannschaften aus Osdorf und Elmshorn erleiden, in einem deutlich akzeptableren Rahmen bewegen. Und finanziell würde man den HSV III trotzdem noch empfindlich treffen.

Gleichzeitig muss sich das HFV-Sportgericht hinterfragen, ob die Verhältnismäßigkeiten der verhängten Sanktionen in einer vernünftigen Relation zueinander stehen. Denn sieht man mal ab von den saftigen persönlichen Strafen, die vier Teutonia-Spieler erhielten (Sperren von insgesamt fast fünf Jahren), dann werden die Vereine – obwohl der Spielabbruch eindeutig von Teutonia 05 verursacht wurde – auf einem vergleichbaren Level bestraft. Während Teutonia insgesamt 1900 Euro berappen muss, hat der HSV III nicht nur eine Strafe in Höhe von 250 Euro zu zahlen (wegen mangelndem Sicherheitspersonal und wiederholtem unsportlichen Verhalten der Vereinsanhänger), sondern verliert durch die „Geisterspiele“ auch noch Einnahmen im Rahmen von mindestens 1800 Euro. Da man davon ausgehen kann, dass man im Topspiel gegen den Liga-Zuschauerkrösus Osdorf weitaus mehr Fußballfans als gewöhnlich an die Ulzburger Straße locken würde, ist anzunehmen, dass den Norderstedtern sogar deutlich mehr als 2000 Euro durch die Lappen gehen. Summa summarum trägt der HSV III also voraussichtlich, was das Finanzielle betrifft, einen größeren Schaden davon, als der FC Teutonia 05. Ein schwer nachvollziehbares Zeichen, was das HFV-Sportgericht mit diesem Urteil in die Hamburger Fußballwelt versendet.


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