Mein Sport Mikrofon

07.03.2016

Gescheitert: Effenberg floppt als Trainernovize

Darüber spricht Hamburg: Die Kolumne von Frank Sorgatz

Gefeuert bei Paderborn: Stefan Effenberg. Foto: dpa

Liebe Leser, haben Sie auch noch die widerwärtigen Bilder der Landesliga-Partie zwischen HSV III und Teutonia 05 im Kopf, als ein am Boden liegender HSV-Fan von einem Teutonia-Spieler mit Fußtritten malträtiert wird? Ich habe mich bei Betrachtung der Bilder erschrocken und finde das Geschehene unerträglich.

Was aber war an diesem deprimierenden Abend in der Landesliga Hammonia passiert? Alle Beteiligten geben an, dass es nach der Auswechslung von drei Teutonia-Spielern herbe Beleidigungen von Seiten des HSV-Anhangs gegeben haben soll. Jefferson N., der bereits in der Vergangenheit durch mehrere Unbeherrschtheiten negativ aufgefallen war, sah sich genötigt die “Pöbler“ zur Rede zu stellen. Danach ist die Situation eskaliert und gipfelte in dem unsäglichen Fußtritt von Sidiki S. sowie dem damit verbundenen Spielabbruch.

In diesem Zusammenhang müssen die Verantwortlichen des HSV aber auch dringend ihre Anhängerschaft zur Rede stellen. Spätestens nach den Fan-Auseinandersetzungen im Dezember beim SC Sternschanze, die den Ausschluss der dritten Mannschaft aus dem Holstenpokal zur Folge hatte, bedarf es einer gründlichen Aufarbeitung sowie weitergehenden Sanktionen von Vereinsseite. Klar ist: Auch wenn sich die junge Truppe des HSV über die Unterstützung bei den Spielen freut, fügen solche Leute ihrem Traditionsverein einen irreparablen Imageschaden zu. Darüber hinaus schaden solche Gewaltexzesse dem Ansehen des Hamburger Fußballs über die Stadtgrenze hinaus immens.

Am kommenden Mittwoch muss das Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes harte und gerechte Strafen für die Beteiligten verhängen. Denn eines ist klar: Solche wüsten Szenen abseits des Platzes wollen wir in Zukunft auf Hamburger Fußballplätzen nie wieder sehen!

Vergangene Woche verkündete der FC St. Pauli, dass die Vertragsangebote für die Stammkräfte Enis Alushi sowie Sebastian Maier vorerst zurückgenommen worden sind. Beide konnten sich bislang nicht zu einer Vertragsverlängerung durchringen. So manchem St. Pauli-Sympathisanten stockte bei dieser Nachricht der Atem, denn auch die Zukunft von weiteren etablierten Profis schien zu diesem Zeitpunkt ungeklärt. Zudem muss Sportchef Thomas Meggle eine komplett neue Sturmbesetzung ans Millerntor lotsen.
Droht ergo im Sommer ein größerer Umbruch als zunächst angenommen?

Nach der besagten Presserunde wurde diese These medial thematisiert und lenkte von den sportlich wichtigen Themen ab. Oder anders formuliert: Solche Diskussionen inmitten des Aufstiegskampfes sind mehr als kontraproduktiv. Also, dachte sich der gewiefte Sportchef, ist es besser, einen wichtigen Leistungsträger langfristig an den Verein zu binden, um somit Ruhe ins Umfeld zu bekommen. Meggle verlängerte am Freitag den Vertrag mit Mittelfeldregisseur Christopher Buchtmann um drei Jahre. Da kann ich nur sagen: Perfekt gewählter Zeitpunkt, Herr Sportchef! Mit Buchtmann behält der Zweitligist sein Herz im Mittelfeld. Gemeinsam mit Marc Rzatkowski ist der Taktgeber für das Umschaltspiel im zentralen Mittelfeld unersetzlich.

Neben seiner fußballerischen Klasse ist der Linksfuss enorm ehrgeizig und bei den Fans beliebt. Buchtmann und St. Pauli, diese Beziehung scheint in der Tat zu passen.

Zwischen dem gebürtigen Hamburger Stefan Effenberg und dem SC Paderborn passte es hingegen nicht mehr. Kurz vor seinem mit Spannung erwarteten Auftritt am Millerntor, für den sich seine in Hamburg lebenden Eltern sowie Freunde und Bekannte bereits mit Tickets eingedeckt hatten, wurde dem Ex-Nationalspieler vergangene Woche in Ostwestfalen der Laufpass erteilt. Auf einer verblüffend schonungslosen Pressekonferenz rügte Präsident Finke den Jung-Trainer und stellte ihm ein schlechtes Zeugnis aus.

Aber was sind die Fakten? Effe hat bei seiner ersten Trainerstation eine Menge verbrannter Erde hinterlassen und dabei ein klägliches Bild abgegeben. Fragwürdige Spielerentlassungen, Skandale im Wintertrainingslager sowie eine nicht mehr gültige Fußballlehrer-Lizenz sind des Guten einfach zu viel und nicht mehr akzeptabel. Kurz vor seinem Engagement in Paderborn fuhr Effe auch noch betrunken Auto und verlor dadurch seinen Führerschein.
Aber nicht nur abseits des Platzes ging es hoch - auch auf dem grünen Rasen entwickelte sich der Bundesliga-Absteiger stetig zurück. Als Beleg dient der Tabellenplatz 17, auf den der “Tiger“ die Mannschaft geführt hat.
Effenberg ist als Trainer bereits bei seiner ersten Station kolossal gescheitert. Innerhalb Deutschlands ist der Champions-League-Sieger in den nächsten Jahren erstmal nicht mehr zu vermitteln. Die “Causa Effenberg“ zeigt, dass nicht jeder großer Fußballer auch gleichzeitig ein großer Trainer werden kann.

(Der Autor vertritt seine Meinung
unabhängig von der Redaktion)

Kommentieren

Vermarktung: