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27.07.2016

DJ Bernhard Schwarz: Vom Zeppelin bis in die China Lounge

Der Turntable-Trainer aus Klein Offenseth

An den Reglern: Schwarz kurz nach der Jahrtausendwende auf einer Party im „Rohling“. Foto: privat

TSV Sparrieshoop-Trainer Bernhard Schwarz spricht über seine langjährige Karriere als Diskjockey. Ein guter Kumpel des Übungsleiters hat sogar einen Welt-Hit gelandet.

„Zu den Partys kamen bis zu 2000 Leute“

Den meisten Amateurfußballkennern ist Bernhard Schwarz ist ein Begriff. Als Trainer vom TSV Sparrieshoop, FC Elmshorn und TBS Pinneberg hat sich der C-Lizenz-Inhaber in der hiesigen Balltreter-Welt einen Namen gemacht. Im Junioren-Bereich betreute der 47-Jährige unter anderem Mannschaften vom ETV und dem JFV-Oststeinbek.
Doch was viele nicht wissen: Schwarz gibt nicht nur an der Seitenlinie den Takt vor. Der Versicherungsmakler steht nämlich seit über 30 Jahren hinter den DJ-Pults in der norddeutschen Clubszene. „Das hat alles in den 80ern angefangen“, berichtet Schwarz.

Als er sich zusammen mit seinem Kumpel Matthias Weber auf einer Party in der Maschener Großraumdiskothek Zeppelin rumgetrieben hat, bekamen die beiden einen Vinyl-Gutschein in die Hände gedrückt. „Danach haben wir uns intensiv mit dem Auflegen beschäftigt“, erzählt der damals pubertierende Schwarz. Und es sollte nicht lange dauern, bis die Teenager im Zeppelin ihre ersten Auftritte hinlegten. „Früher war das die größte Disko in Europa. Da war richtig was los“, erinnert sich der „DJ-Coach“. Später hat es Schwarz und Weber dann in die Hamburger Gefilde gezogen, wo man auf dem Kiez in der China Lounge oder im ehemaligen Norderstedter Club Rohling House-Music und R’n’B auflegte. „Da kamen bis zu 2000 Gäste“, erzählt Schwarz, der Gagen im hohen dreistelligen Bereich erhalten hat, nicht ohne Stolz.

Schwarz-Kumpel produziert Welt-Hit

Gibt den Takt vor: Sparrieshoop-Trainer Bernhard Schwarz blickt auf eine lange Karriere als DJ zurück. Foto: Bergmann

Doch irgendwann trennten sich die Wege. Schwarz legte „eine kleine Pause“ ein und konzentrierte sich auf seine berufliche Karriere als Versicherungsmakler. Weber hingegen fing an, Songs zu produzieren und sollte sich schon bald unter dem Pseudonym „Sugarstarr“ international einen Namen machen. „Er hat richtige Hits gelandet“, berichtet Schwarz, der noch heute in Kontakt zu Weber steht. Als dieser zusammen mit Serhat Sakin im Jahr 1998 die Formation „Syke’n’Sugarstarr“ gründete, begann für das Duo ein kometenhafter Aufstieg. 2004 produzierten die Musiker den Welt-Hit „For you“ von „The Disco Boys“, der in Deutschland zu einem der meistverkauftesten Dance-Tracks aller Zeiten aufstieg. Vor sechs Jahren wurde der Ohrwurm mit Platin ausgezeichnet.

Zu diesem Zeitpunkt war Schwarz Trainer im Nachwuchsbereich vom ETV. Da gab es keine goldenen Schallplatten zu gewinnen, sondern ab und an vielleicht mal einen Pokal bei einem Hallenturnier. Ob es Schwarz bereut, dass er das DJ-Dasein hat schleifen lassen? „Das würde ich so nicht sagen“, antwortet er, „wenn man auflegt, ist das ein zweischneidiges Schwert. In dieser Szene kann man nie wissen, ob man wirklich durchstartet. Man muss immer seine Bookings haben.“ Bookings hat Schwarz, der inzwischen den Bezirksligisten TSV Sparrieshoop coacht, auch heutzutage noch. So legte der Fußballtrainer erst neulich Anfang Juli auf der Sunset Bootsparty im Hamburger Hafen auf. „Das mache ich aber nur noch ein paar Mal im Jahr zu besonderen Anlässen wie Silvester-Partys oder beim Tanz in den Mai“, erklärt Schwarz, für den der Trainerjob neben seiner Tätigkeit als Versicherungsmakler Priorität genießt.

Zweiter Anlauf in Klein Offenseth

Beim TSV Sparrieshoop steht Schwarz nach 2014 und den Stationen in Elmshorn und Pinneberg nun bereits zum zweiten Mal in der Verantwortung an der Seitenlinie. In der Bezirksliga West sind die Klein Offensether so etwas wie die Jungspunde vom Dienst: Nach einem Umbruch im Sommer geht Schwarz mit 15 Spielern aus der eigenen A-Jugend an den Start. „Wir standen vor der Wahl, etliche externe Spieler zu holen oder es mit jungen Leuten aus den eigenen Reihen zu versuchen“, erklärt der Coach, der sich für den „Sparrieshooper Weg“ entschieden hat. „Einige Trainer wären da bestimmt weggelaufen. Aber da ich Erfahrungen im Jugendbereich gesammelt habe, weiß ich, dass es funktionieren kann“, so Schwarz. Und die Vorbereitung auf die neue Saison scheint Schwarz Recht zu geben. Landesligist FC Elmshorn wurde mit 3:0 besiegt, Hammonia-Absteiger und Liga-Konkurrent SV Halstenbek-Rellingen II deutlich mit 4:1 in die Schranken verwiesen. „Das hat mich selbst ein wenig überrascht“, gibt Schwarz zu, „aber wir haben auch intensiv gearbeitet.“

Blenden lassen will sich der Coach von der guten Frühform jedoch nicht, zu große Risiken birgt dieser Kader mit dem Altersdurchschnitt von 18,6 Jahren. „Unser Ziel kann nur der Klassenerhalt sein“, versucht Schwarz die Erwartungen so gering wie möglich zu halten. Doch wer übernimmt eigentlich Verantwortung in einer Herren-Mannschaft, von der 13 Akteure noch in der A-Jugend hätten spielen können? „Torwart Michael Möller, Abwehrspieler Tim Moritz und Mittelfeldmann Paul Heine“, so Schwarz. Dabei sind Moritz (22) und Heine (20) selbst noch echte Newcomer. Und Möller ist in diesem Team mit seinen jungen 25 Jahren schon eine Art „Oldie“. Hervorgetan habe sich in der Vorbereitung auch Jan Krippahle, der im Sommer 2015 in die Liga-Mannschaft von Sparrieshoop aufgerückt und einer von nur sechs Spielern ist, die aus dem Kader der Vorsaison noch an Bord geblieben sind. „Die Abgänge der drei Spieler, die in unsere Alte Herren gegangen sind, tun am meisten weh“, beklagt Schwarz. Doch falls es mal brenzlig werden sollte, sind Markus Steffen, Michael Nöthen und Christian Mikut ja auch nicht aus der Welt. „Wenn es nötig sein sollte, würden sie bestimmt mal bei uns aushelfen“, glaubt Schwarz. Und wenn der Coach mit dieser blutjungen Truppe 2017 den Klassenerhalt perfekt macht, dann steht der Turntable-Trainer bei den anschließenden Feierlichkeiten bestimmt auch wieder selbst an den Reglern. Getreu dem Motto: Hier spielt die Musik!

Jonas Altwein

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