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07.04.2015

Der größte Kampf steht Altona 93 wohl noch bevor

Darüber spricht Hamburg: Die Kolumne von Jan Schubert

Bald mit neuer Heimstätte: Altona Trainer Oliver Dittberner. Foto: kbs

Liebe Leser, manche Trennungen sind schmerzhaft, aber lange überfällig und notwendig. Die Protagonisten der letzten Woche gehen mit gutem Beispiel voran:

Montag, 30. März: Nun hat sich also auch die letzte Symbolfigur des recht kurzzeitigen Erfolgs beim FC Elmshorn selbst entsorgt. Ex-Clubchef Helge Melzer hat keinen Bock auf Vorstandsarbeit mehr – und das ist auch gut so. Denn jetzt müssen seine „Thronfolger“, Präsident Michael Homburg und Stellvertreter Rainer Klaar, mal Butter bei die Fische tun und zeigen, dass das Gemecker an Melzer berechtigt war und seine Nachfolger sowieso alles besser machen. Beim FCE sind endgültig die Voraussetzungen für den Neustart gegeben. Keine Alibis mehr. Auf Sicht sollte dabei ein etablierter Oberligist herauskommen.

Dienstag, 31. März: Die größte Aufgabe haben sie noch vor sich: Obwohl Oberligist Altona 93 endlich eine zeitgemäße Heimspielstätte an der Memellandallee erhält und dies als Weichenstellung für eine glorreichere Zukunft verkauft, dürfte die vehementesten Klagelaute unter den Fans noch folgen. Spätestens dann, wenn die antiquierte, aber doch irgendwo liebreizende Adolf-Jäger-Kampfbahn als Pilgerstätte für das vielleicht echteste Publikum ausgedient hat. Die Führungscrew muss sich bei den Anhängern die Legitimation verdienen, ein Stück an Originalität und Einzigartigkeit für mehr sportlichen Erfolg und Gewöhnlichkeit einzutauschen – das mit dem Erfolg ist leider nicht einmal garantiert.

Mittwoch, 1. April: Durchhalten, Torsten Henke: Normalerweise ist sein SV Curslack-Neuengamme auf mindestens eine Top-Sechs-Platzierung abonniert, seitdem die Spielklasse Oberliga heißt (seit 2008/09). Das ist dieses Jahr nicht mehr drin. Im Gegenteil: Der flüchtige Beobachter könnte beim gegenwärtigen Platz zwölf von einer Katastrophensaison sprechen. Jedoch ist diese Sichtweise völlig falsch – denn der SVCN praktiziert etwas, was andere gern so geräuschlos hinbekommen würden: einen Umbruch mit allen Schwierigkeiten und Rückschlägen, den ein solcher Schritt eben mit sich bringt. Ich traue Henke und seiner jungen Garde definitiv demnächst wieder eine stärkere Rolle zu. Wenn noch nicht im nächsten Jahr, dann eben im übernächsten.

Donnerstag, 2. April: Machen Sie sich doch auch mal den Spaß und tippen die letzten Oberliga-Spieltage mit den fünf Titelanwärtern. Ich hab’s gemacht – mit keinem allzu originellen Endresultat. Auf den ersten Blick wohlgemerkt: Der SC Victoria geht meiner Einschätzung nach als Erster durchs Ziel. Vicky hat sicherlich das leichteste Restprogramm. Erstaunter habe ich bei meiner Prognose auf einige Tendenzen geschaut: Titelverteidiger Dassendorf beispielsweise gewinnt kein Auswärtsspiel mehr und landet unter ferner liefen, während BU wiederum in der Fremde unbezwingbar bleibt und nah an die Schale heranschnuppert. Spielereien? Warten wir doch einfach den 22. Mai ab.

Freitag, 3. April: Ist Leistungsfußball out? Und warum ist dies so? So einen Fall wie beim SV Lurup, wo die Vereinsspitze den treuen Hauptsponsor mehr oder minder vergrault und den Ligafußball in der Prioritätenliste weiter unten ansiedelt, hatten wir in der Vergangenheit in ähnlich starker Form an einigen Schauplätzen. In frischer Erinnerung haben wir den VfL 93 und den Oststeinbeker SV, aber auch beim Rahlstedter SC oder tendenziell auch bei Voran Ohe und dem FC Elmshorn fielen die Elite-Kicker in Ungnade. Und so bitter es auch für „Fußis“ ist, wenn ihnen die Führung von einem auf den anderen Tag die Unterstützung versagt und damit die Arbeit einer ganzen Dekade torpediert, müssen wir uns damit abfinden: Der runde Ball ist nicht allein im Universum.

Samstag, 4. April: Der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um auf einem Abstiegsrang zu überostern. So kurz vor dem Hansa-Saisonfinale greifen beim MSV Hamburg offenbar ligatypische Mechanismen. So von wegen, die zweite Saison nach einem Aufstieg ist immer die schwerste. Fakt ist, dass sich die Mümmelmannsberger nach eigener Denkweise einstellig platziert sehen, dort aber nur an drei Spieltagen angesiedelt waren (nie besser als Rang 7!). Die nächsten drei Aufgaben werden fundamental: Der MSV misst sich mit den direkten Konkurrenten HTB, Lohbrügge und Altengamme. Wenn Schwarz-Gelb jetzt nicht anzieht, heißt’s nächstes Jahr Bezirksliga.

Sonntag, 5. April: Keeper-Notstand bei Croatia – und das ausgerechnet im Existenzkampf: Nach dem Achillessehnenriss von Ivica Ljubic erwischte es nun Mario Josipovic. Der 26-Jährige war mit einer bockstarken Hinrunde Garant beim Landesliga-Neuling, dass dieser über dem Strich stand. Jetzt fällt er mit Kreuzbandriss aus. Der blanke Horror für Croatia, die keinen weiteren gelernten Torsteher in ihren Reihen haben. Diese Ausfälle auf der vielleicht sensibelsten Position können den Abstiegskampf für den Verein negativ beeinflussen.

Montag, 6. April: Was für eine nahezu perfekte Konstellation im Pokal-Halbfinale! Die vier qualifizierten Oberligisten, die zuschauermäßig auch viel mitbringen, garantieren noch einmal vor dem Endspiel zwei echte Semifinal-Partys. Gebührend großes Lob auch an die Kreisliga-Underdogs - allerdings zeigte das Viertelfinale nachdrücklich, dass ihr Weg hier zu Ende sein musste.

Jan Schubert
(Der Autor vertritt seine Meinung unabhängig von der Redaktion)

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