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09.12.2016

Der FC St. Pauli braucht nur sportlich eine „Retter-Kampagne“

Die legendäre „Retter-Kampagne“ am Ende der Saison 2002/03 rettete seinerzeit den FC St. Pauli vor der Strafversetzung in die Oberliga. Damals wies der Verein eine Liquiditätslücke von knapp zwei Millionen Euro auf. Die Saison 2015/16 sah zumindest finanziell rosig aus. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte ein Konzerngewinn von 1,32 Millionen Euro verbucht werden. Damit steht der Kiez-Klub auf sicheren finanziellen Füßen. Sportlich ist eine „Retter-Kampagne“ allerdings trotzdem vonnöten. Als Tabellenletzter der 2. Bundesliga müssen sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen, um dem drohenden Abstieg doch noch zu entgehen.

Alt-Tag: Die jährliche Mitgliederversammlung des FC St. Pauli fand im CCH in Hamburg statt
Die Sponsoren wie Levis oder Betway, ein Anbieter für Sportwetten, haben den Jahresbericht natürlich positiv aufgenommen. Für einen nachhaltigen Wiedererkennungswert ihrer Marke muss aber auch die sportliche Bilanz stimmen. Und hier hapert es beim Kiez-Klub in der Saison 2016/17 noch gewaltig. Nach fünfzehn Spieltagen konnte das Team von Ewald Lienen erst einen Sieg einfahren. Mit mageren sieben Punkten rangiert St. Pauli derzeit auf dem letzten Tabellenplatz.

Am Millerntor herrscht weiter Krisenstimmung

Der FC St. Pauli liegt nach 15 Spieltagen der 2. Bundesliga abgeschlagen auf dem letzten Platz der Tabelle. Quelle: kicker.de

Der erhoffte Befreiungsschlag blieb auch am 15. Spieltag beim torlosen Remis gegen die Pfälzer aus Kaiserslautern aus. Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Stammtorhüter Robin Himmelmann, sodass die kommenden Aufgaben gegen Fürth (auswärts) und Bochum (Heimspiel) nicht leichter werden.
Dass Trainer Ewald Lienen noch immer im Amt ist, zeugt von der neuen besonnenen Vereinspolitik. Nach einer ähnlichen Serie von zwölf sieglosen Spielen in der Saison 2002/03 musste der damalige Trainer Joachim Philipkowski seinen Hut nehmen. Am 11. Dezember droht für die Kiezkicker die Einstellung dieses Negativrekords. Dass es dazu nicht kommt, will Lienen unbedingt verhindern. Nach dem Spiel gegen Kaiserslautern sah er durchaus positive Ansätze seiner Mannschaft: "Es war ein kleiner, aber wichtiger Schritt. Wenn wir so weitermachen, werden wir mit Siegen belohnt." Siege sind unbedingt nötig, um nicht nach zehn Jahren erneut in die Drittklassigkeit abzurutschen. 

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2015/16

Um die sportliche Krise zu bewältigen, werde der Verein laut Präsident Oke Göttlich eingehend den Transfermarkt beobachten und den Kader in der Winterpause, wenn möglich, mit passenden Spielern verstärken. Trotz der guten Bilanz in finanzieller Hinsicht sind die Möglichkeiten allerdings begrenzt.
Der zweitgrößte Hamburger Fußballklub machte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von insgesamt 40,64 Millionen Euro. Das bedeutete ein Plus von knapp zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Abzug aller Kosten blieben unter dem Strich vor Steuern 2,98 Millionen Euro. Der Konzernjahresüberschuss von 1,32 Millionen Euro ist gut fünf Mal so hoch, wie im Vorjahr (0,24 Millionen Euro). Weitere Zahlen zur Jahresbilanz im Detail:


• Transfererlöse: 3,25 Millionen Euro (Vorjahr: 0,18 Millionen Euro)
• Einnahmen aus der medialen Vermarktung: 7,47 Mio. Euro (Vorjahr: 8,83 Mio. Euro)
• Kalkulierter Zuschauerschnitt 2015/16: 27.000
• Tatsächlicher Zuschauerschnitt 2015/16: 28.913
• Verkaufte Dauerkarten: 15.000
• Einnahmen aus Merchandising: 9 Mio. Euro

Einmalige Fankultur und Kultstatus des Klubs

Statistik: Bei der jährlichen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zu den beliebtesten Vereinen der 2. Bundesliga belegt der FC St. Pauli den ersten Platz. Quelle: eigene Darstellung

Als nach der Saison der Abstieg aus der zweiten Bundesliga in die damals dritthöchste Liga, der Regionalliga, feststand, ließen die Fans den Verein nicht im Stich. In der Saison 2003/04 verkaufte St. Pauli für die Saison in der Regionalliga 11.700 Dauerkarten. Dabei rettete die berühmte „Retter-Kampagne“ den Klub vor die Strafversetzung in die Oberliga aufgrund einer Liquiditätslücke von knapp zwei Millionen Euro. Die Lizenz war gefährdet und die Vereinsführung beschloss ein Maßnahme-Paket, das folgende Punkte beinhaltete:


• Verkauf des Jugendleistungszentrums am Brummerskamp für 720.000 Euro an die Stadt Hamburg
• Verkauf von Retter-T-Shirts
Benefizspiel gegen Bayern München auf Initiative von Uli Hoeneß
• Kiez-Kneipenaktion „Saufen für St. Pauli“
• Weitere Kulturveranstaltungen am Millerntor zugunsten des Vereins

Aufgrund der hohen Beliebtheit des Vereins gelang es, den Absturz in die Oberliga zu verhindern. Auch 2016 ist der FC St. Pauli wieder der beliebteste Verein der 2. Bundesliga.

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