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30.11.2016

Altona 93: Hier werden Stars gemacht

Was haben Jonathan Tah, Eric Maxim Choupo-Moting und Christian Rahn gemeinsam? Sie entsprangen der Jugendarbeit von Traditionsverein Altona 93 und schafften es später bis in die Nationalmannschaft

Bei Altona 93 entdeckt: Jung-Nationalspieler Jonathan Tah (20, Bayer Leverkusen) Foto: imago

Es dauerte nicht lange, um sein Talent zu erkennen. Als Jürgen Trapp den damals noch kleinen Jonathan Tah am Ball sah, war er sofort hin und weg. „Er war einfach überragend“, erzählt Jürgen Trapp, der Tah in jungen Jahren trainierte. Seine Dynamik und seine Kopfballstärke machte ihn zu einem herausragenden Abwehrspieler, der auch in der Offensive Akzente setzen kann. „Alle hier im Verein denken gerne an ihn zurück“, verrät Wolfgang Oesert, Jugendleiter von Altona 93. „Er ist ein guter Junge, frei von jeglichen Eitelkeiten und verlässlich.“ Mit 13 Jahren wechselte Tah zum Hamburger SV, wo er als 17-Jähriger sein Bundesligadebüt gab. Heute spielt der 20-Jährige für Bayer 04 Leverkusen in der Champions League und ist Nationalspieler.
Tah ist nicht der einzige ehemalige Jugendspieler von Altona 93, der es weit gebracht hat. Auch Schalke 04 Profi Eric Maxim Choupo-Moting und der ehemalige DFB-Auswahlspieler Christian Rahn haben früher in Altona gespielt. Choupo-Moting wechselte mit 14 Jahren zum FC St. Pauli, ein Jahr später zum Hamburger SV. Heute ist er Nationalspieler von Kamerun. Rahn spielte von 1984 bis 1995 für den Stadtteilclub. Mit 15 Jahren ging er zum FC St. Pauli, wo er Profi wurde. Anfang des Jahrtausends hatte er fünf Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft. „Wir sind natürlich super stolz auf Jonathan, Choupo und Christian Rahn“, sagt Oesert. „Aber das waren Leuchttürme, bei denen alles zusammengepasst hat. Die Jungs hatten großes Talent, bekamen den richtigen Trainer und hatten auch die richtigen Mitspieler.“ Fußball-Stars hervorzubringen, ist ein netter Nebeneffekt der Jugendarbeit. Im Mittelpunkt steht aber das Ziel, möglichst vielen Kindern ein tolles Fußballerlebnis zu ermöglichen.
Altona 93 hat eine der größten Jugendabteilungen von ganz Deutschland. Rund 600 Kinder und Jugendliche sind im Verein angemeldet. 60 ehrenamtliche Trainer sorgen dafür, dass die Jungs und Mädchen gut mit dem Ball umgehen können. Bereits mit vier Jahren können Kinder in die Ballspielgruppe von Altona einsteigen – das tat einst auch Jonathan Tah. Die Leistungsförderung genießt einen hohen Stellenwert. Bereits ab der E-Jugend findet ein Förder-Training für talentierte Kinder statt. Aus der Fördergruppe geht das Bezirksliga D-Jugend Team hervor, welches im alten Jahrgang dann auf den Leistungsfußball vorbereitet wird.
Es liegt in der Natur des Fußballs, dass die größten Talente Altona früher oder später verlassen. Oesert sieht das aus zwei verschiedenen Blickwinkeln. “Wenn ein nachweislich talentierter und familiär sowie persönlich gefestigter Spieler die Chance auf eine Profikarriere hat und wir das nicht anbieten können, sind wir stolz, wenn eines unserer Talente zu einem großen Verein wechselt und unterstützen den Spieler in seinem Werdegang”, erzählt er. “Wenn wir aber einen E- oder F-Jugendlichen verlieren, weil ein Club verfrüht und frühzeitig junge Talente an sich binden möchte, sind wir enttäuscht.”
Unbelohnt bleibt die Jugendarbeit nicht. Altona 93 verdient an den großen Karrieren ihrer ehemaligen Jugendspieler Geld. Über den DFB gibt es Fördergelder. „Aber das lässt sich überhaupt nicht mit den Summen vergleichen, die im Profifußball existieren“, gibt Oesert zu bedenken. Es ist das Bestreben des Abteilungsleiters, für sämtliche Jugendmannschaften optimale Bedingungen zu schaffen. “Es ist unser Ziel, in allen Jahrgängen möglichst hoch zu spielen. Das hat bislang nicht durchgängig geklappt. Es gab aber immer wieder positive Ausreißer.“ Das Flaggschiff der Nachwuchsarbeit ist die A-Jugend, die aktuell in der Oberliga spielt. Das mittelfristige Ziel ist der Aufstieg in die A-Junioren-Regionalliga. Dazu müsste es dem Verein gelingen, die besten Jugendspieler im Verein zu halten. Voraussetzung dafür ist laut Oesert eine gute Perspektive für den Herren-Fußball. Sollte der ersten Mannschaft von Altona 93 also der lang ersehnte Aufstieg in die Regionalliga gelingen, wäre das auch für die Jugendabteilung ein Segen.

Oliver Jensen

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